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WENN ÜBERSTUNDEN
ZUM PROBLEM WERDEN.

Hier informieren.

WAS SIND ÜBERSTUNDEN?

Sie können sich nicht erinnern, wann Sie zuletzt pünktlich Feierabend gemacht haben. Selbst nach dem gemeinsamen Abendbrot mit der Familie sitzen Sie noch bis spät in die Nacht am Rechner und arbeiten. Freunde, Hobby und Haushalt bleiben auf der Strecke, weil Sie nach den vielen Überstunden nur noch erschöpft ins Bett fallen.

Das kommt Ihnen bekannt vor? Damit sind Sie nicht allein. Für viele Beschäftigte ist das inzwischen die traurige Regel. Laut dem Arbeitszeitreport Deutschland 2016 arbeiten Vollzeitbeschäftigte regelmäßig wöchentlich knapp fünf Stunden länger als vertraglich vereinbart. Personelle Engpässe, ein Großauftrag, ein wichtiges Projekt, oder einfach die schiere Flut an Aufgaben zwingen Beschäftigte immer wieder dazu, ihre Arbeitstage zu verlängern. Jeder vierte Beschäftigte berichtet außerdem davon, dass der Arbeitgeber erwartet, auch in der Freizeit für berufliche Angelegenheiten erreichbar zu sein. Vor allem im Home-Office verschwimmen oft die Grenzen, die Work-Life-Balance gerät ins Ungleichgewicht.

Obwohl Mehrarbeit und Überstunden nicht ohne Weiteres von Vorgesetzten angeordnet werden dürfen, wird dies häufig ganz selbstverständlich vom Arbeitgeber hingenommen und teilweise sogar erwartet. Dabei ist gesetzlich oder tarifvertraglich genau geregelt, was Ihr Arbeitgeber verlangen darf und was nicht. Und das ist auch gut so, denn wir wissen aus Langzeitstudien, dass sich zu kurze Erholungsphasen langfristig negativ auf die Gesundheit von Geist und Körper auswirken. Welche gravierenden Folgen ein Burn-out haben kann und wie Sie ihn vermeiden, lesen Sie hier.

Es ist daher wichtig, dass Sie Ihre jeweilige Situation und Rechte genau kennen:
Was steht in Ihrem Arbeitsvertrag? Gilt ein Tarifvertrag oder eine Betriebsvereinbarung in Ihrem Betrieb? Oder greifen die allgemeinen gesetzlichen Regelungen?

Grundsätzlich gilt das Arbeitszeitgesetz. Hier steht zum Beispiel, dass die werktägliche Arbeitszeit acht Stunden pro Tag nicht überschreiten darf. Sie kann zwar auf bis zu zehn Stunden ausgedehnt werden. Dafür muss aber innerhalb der nächsten sechs Monate ein Ausgleich gewährt werden, um eine durchschnittliche Arbeitszeit von acht Stunden zu garantieren. Auch die Ruhezeit zwischen den Arbeitszeiten ist gesetzlich geregelt: Mindestens 11 ununterbrochene Stunden müssen es sein.

Dieselben Regeln gelten auch für Auszubildende. Werden in der Ausbildung Überstunden verlangt, so müssen Sie diese nur freiwillig und gegen Ausgleich akzeptieren – und außerdem müssen sie dem Ausbildungszweck dienen. Wer in Teilzeit mehr arbeitet als die vertraglich vereinbarte Stundenzahl, hat im Übrigen Anspruch auf dieselben Zuschläge wie die Kolleg*innen in Vollzeit.

ES GIBT AUSNAHMEN

Nur in zwei Fällen darf der Arbeitgeber Überstunden explizit verlangen: In Krisen- oder Notfall-Situationen, die für das Unternehmen existenzbedrohend sind, und bei besonderem betrieblichen Bedarf. Eine solche Situation kann etwa gegeben sein, wenn die Arbeitnehmer*innen mit der normalen Arbeitszeit den Betrieb nicht aufrechterhalten können, weil zu viele Kolleg*innen z. B. an Covid-19 erkrankt sind oder sich in Quarantäne befinden. Aber auch in diesem Fall muss innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich auf acht Stunden werktäglich (48 Stunden wöchentlich) erfolgen.

WICHTIG ZU WISSEN

Nicht zulässig ist die Anordnung von Überstunden während der Kurzarbeit – wenn Ihr Vorgesetzter dies verlangt, sollten Sie ablehnen. Unter Umständen könnten Sie sich sonst der Beihilfe zum Subventionsbetrug schuldig machen.

Alle abweichenden Regelungen zur Arbeitszeit und zur Anordnung von Überstunden bedürfen eines vereinbarten Interessensausgleichs zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter*innen in Form eines Tarifvertrags oder einer Betriebsvereinbarung.

RECHNEN SIE IHRE ÜBERSTUNDEN ODER FREIZEITAUSGLEICH AUS:
MIT DEM VER.DI ÜBERSTUNDEN-RECHNER!

Grundsätzlich gilt: Überstunden müssen bezahlt werden, auch dann, wenn es in Ihrem Betrieb keine gesonderten Vereinbarungen zur Vergütung von Überstunden oder Freizeitausgleich gibt. Ebenso sind Regelungen, die z. B. eine pauschale Abgeltung von Überstunden mit dem normalen Monatsentgelt vorsehen, häufig unwirksam. Wichtig dabei ist, dass Sie im Zweifelsfall belegen können, dass die Überstunden vom Arbeitgeber veranlasst wurden oder er sie zumindest wissend geduldet hat und damit einverstanden war.

Rechnen Sie aus, welchen Wert Ihre Überstunden haben und was Sie wirklich verdienen oder welcher Ausgleich Ihnen zusteht!

1/2 Überstunden­rechner
Ihre Arbeitszeit beträgt laut Arbeitsvertrag: Std./Woche
Tatsächlich arbeiten Sie aber: Std./Woche

Sie arbeiten im Moment somit unbezahlt:*0 Std./Monat
* Berechnung erfolgt auf Basis von 5 Arbeitstagen pro Woche, 4,33 Arbeitswochen pro Monat und 52 Wochen pro Jahr. Weiter
Ihr monatliches Brutto-Gehalt (ohne Urlaubs- oder Weihnachtsgeld) beträgt: €/Monat

Ihr Gehalt inklusive Überstunden könnte sein:*0 €/Monat
Auf Grund der Überstunden entgeht Ihnen eine Gehaltserhöhung von ca.:*0 €/Monat
Entspricht ca.:*0%
In Freizeit ausgeglichen entspricht das:*0 Tage/Monat
* Berechnung erfolgt auf Basis von 5 Arbeitstagen pro Woche, 4,33 Arbeitswochen pro Monat und 52 Wochen pro Jahr. Zurück

WAS KANN ICH TUN, WENN ÜBERSTUNDEN ZUM PROBLEM WERDEN?

Angst um den Job, Arbeitsdruck, zu viele Aufgaben, die Kolleg*innen nicht hängen lassen? Sie arbeiten über Wochen und Monate hinweg mehr als die vertraglich vereinbarte Zeit und wollen zurück zu Ihren Regelarbeitszeiten? Dann suchen Sie das Gespräch.

  • 1. Ihre Kolleginnen und Kollegen kennen den Betrieb, die betrieblichen Abläufe und Ihre Situation und können im Zweifelsfall hilfreiche Tipps geben, um Überstunden zukünftig zu vermeiden.
  • 2. Empfinden Ihre Kolleginnen und Kollegen die Situation ähnlich belastend? Dann sprechen Sie darüber. Gemeinsam fällt es meistens sehr viel leichter, Probleme aktiv anzugehen.
  • 3. Ihre Vorgesetzten sind für Ihren Dienstplan zuständig. Sprechen Sie sie auf die Missstände an, machen Sie deutlich, welche Belastung das für Sie bedeutet und bitten Sie um Entlastung – oder einen angemessenen Ausgleich.
  • 4. Sollte Ihr Arbeitgeber weiter auf akuten oder dauerhaften Personalmangel verweisen und Ihnen keine Entlastung gewähren, wenden Sie sich an Ihren Betriebsrat oder die Arbeitnehmervertretung. Gemeinsam können Sie eine Strategie überlegen, wie Sie zu Ihrer Regelarbeitszeit zurückkehren können.
  • 5. Sprechen Sie mit uns! Wir setzen uns permanent für bessere Arbeitsbedingungen ein und helfen Ihnen bei der Suche nach einer Lösung für Ihr Problem.

Oder nutzen Sie eine Überlastungsanzeige, um sich schriftlich und rechtssicher an Ihre Vorgesetzen zu wenden. Wie Sie eine Überlastungsanzeige aufsetzen und was drinstehen muss, finden Sie auf www.verdi-bub.de

ÜBERSTUNDEN UND KEIN ENDE IN SICHT: WAS KANN ICH TUN?

Erste Schritte

  • Dokumentieren Sie jede Überstunde und lassen Sie sich diese, wenn möglich, abzeichnen.
  • Bewahren sie ggfs. schriftliche Anordnungen der Überstunden auf. Sind keine schriftlichen Anordnungen erfolgt, notieren Sie sich die Anordnung, das Datum, wann sie erfolgt ist und eventuelle Zeug*innen, die mit im Raum waren.
  • Sprechen Sie mit Ihren Kolleginnen und Kollegen und versuchen Sie, gemeinsam eine Lösung zu finden.
  • Bitten Sie Ihren Arbeitgeber um ein Gespräch und sprechen Sie über Möglichkeiten der Entlastung oder einen Ausgleich.
  • Überlegen Sie sich vor dem Gespräch mit Ihrem Arbeitgeber, welchen Überstundenausgleich Sie sich wünschen.
  • Wenden Sie sich an Ihren Betriebsrat, wenn Ihr Arbeitgeber nicht mit sich reden lässt.
  • Sprechen Sie mit uns!

Häufige Fehler vermeiden

  • Nehmen Sie Überstunden nicht als Selbstverständlichkeit hin.
  • Warten Sie nicht zu lange, bis Sie handeln.
  • Lassen Sie sich nicht mit Ausreden abspeisen.
  • Versuchen Sie nicht, durch Mehrarbeit Fehlplanungen des Arbeitgebers auszugleichen.
  • Lassen Sie Überstunden nicht verfallen. Ihnen steht ein Ausgleich zu!

Mehrarbeit und Überstunden sind nicht dasselbe.

Die Begriffe Mehrarbeit und Überstunden werden gerne synonym verwendet, weil sie bei Beschäftigten in Regelarbeitszeit auf das Gleiche hinauslaufen. Tatsächlich gibt es aber einen juristischen Unterschied, der vor allem für Teilzeitbeschäftigte wichtig ist: Unter Mehrarbeit fällt alle Arbeit, die Beschäftigte zusätzlich zur gesetzlichen Regelarbeitszeit von acht Stunden werktäglich leisten.
Als Überstunden wird dagegen die Arbeitszeit bezeichnet, die über die vertraglich vereinbarte hinausgeht. Diese Definition ist besonders wichtig, wenn Überstunden zum Streitfall werden, denn sie bedeutet: Egal, in welchem Arbeitsverhältnis Sie stehen, Ihr Arbeitgeber muss für einen Ausgleich der geleisteten Überstunden sorgen. Auch, wenn Sie in Teilzeit arbeiten und täglich länger bleiben.

Wichtige Gesetze

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)

Als Beschäftigte können Sie sich auf das Arbeitsschutzgesetz berufen: Es dient der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit und beinhaltet Grundsätze und konkrete Maßnahmen, die den Arbeitgeber rechtlich dazu verpflichten, die Arbeit für die Beschäftigten sozial verträglich zu gestalten.

Arbeitszeitgesetz (ArbZG)

Das Arbeitszeitgesetz regelt ganz allgemein die Arbeitszeit in allen Arbeitsverträgen, die keinem Tarifvertrag unterliegen, also wann Überstunden erlaubt sind, wie lange Beschäftigte am Stück arbeiten dürfen, welche Ruhepausen ihnen zustehen, ab wann Nachtarbeit beginnt etc.

Tarifvertragsgesetz (TVG)

Das Tarifvertragsgesetz regelt die Rechte und Pflichten zwischen den Tarifvertragsparteien (Beschäftigte, Gewerkschaft und Arbeitgeber) und enthält Gesetze, die z. B. den Inhalt und den Abschluss von Arbeitsverhältnissen festhalten.

WENN ÜBERSTUNDEN ZUM STREITFALL WERDEN: WAS VER.DI FÜR SIE TUN KANN.

ver.di setzt sich permanent für bessere Arbeitsbedingungen in Unternehmen und Bertrieben ein und steht Ihnen bei Problemen mit Rat und Tat zur Seite. Wir hören Ihnen zu, suchen gemeinsam Lösungswege und helfen, wenn nötig, bei der Suche nach passenden Beratungsstellen. Sollten alle Bemühungen vergebens sein, greift der ver.di Rechtsschutz. Der Rechtsschutz berät Sie in allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts. Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen trotz Überlastungs- bzw. Gefährdungsanzeige keine Lösungen anbietet, stehen wir bereit. Der Rechtsschutz beginnt bei ver.di immer mit dem Versuch, eine außergerichtliche Einigung zu erwirken. Wenn sich jedoch zeigt, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung unvermeidlich ist, streiten unsere Juristinnen und Juristen für Ihr Recht – wenn nötig durch die Instanzen. ver.di übernimmt dann die Kosten des Verfahrens.

Was ist, wenn ich nicht ver.di-Mitglied bin?

Werden Sie es! Gewerkschaftsleistungen finanzieren sich solidarisch aus den Beiträgen der Mitglieder. Deshalb ist es nicht möglich, ohne Mitgliedschaft Leistungen in Anspruch zu nehmen. Als Mitglied genießen Sie über den Rechtsschutz hinaus viele weitere Vorteile – und haben die Möglichkeit, sich durch ehrenamtliches Engagement aktiv einzubringen. Zur Schulung und Qualifizierung bietet ver.di eigene Seminare an, die allen Mitgliedern offenstehen.

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