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DIE NEUE ART ZU ARBEITEN?
ALLES WAS SIE JETZT ZUM HOMEOFFICE WISSEN MÜSSEN.

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EINE PANDEMIE SCHAFFT, WAS VORHER MÜDE BELÄCHELT WURDE: FLEXIBILITÄT BEIM ARBEITSMODELL

Die einen arbeiten am Limit, den anderen bricht ihre Arbeit vom einen auf den anderen Tag weg – und fast alle sehen sich mit neuen Umständen konfrontiert: Corona revolutioniert unser Arbeitsleben. Ein Schlagwort dieser Pandemie heißt Homeoffice. Laut einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom arbeiten seit dem Corona-Ausbruch Millionen Berufstätige von zuhause aus – manche nur teilweise, jede*r Vierte sogar ausschließlich. Insgesamt hat so fast jede*r Zweite (45 Prozent) sein bzw. ihr Zuhause schon mindestens einmal zum Büro umfunktioniert.

Was vorher von vielen Vorgesetzten nicht gern gesehen und schon gar nicht gefördert wurde – und vielfach schlicht an der nötigen Ausstattung aller Mitarbeiter*innen mit Laptops scheiterte – wird auf einmal möglich. Dabei wird offensichtlich, dass ganz viel Arbeit von daheim erledigt werden kann. Rund um die Uhr zwischen Aktenstapeln am Küchentisch verfügbar zu sein, das wirft aber auch viele Fragen auf und daher ist es wichtig, die Spielregeln zu kennen – und auch zu wissen, wie sich diese durchsetzen lassen.

Gibt es Anspruch auf Homeoffice?

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice oder mobiles Arbeiten, gibt es derzeit noch nicht. Haben Sie jedoch den Wunsch, regelmäßig mobil oder von zuhause aus zu arbeiten, so könnte ein Gesetzesentwurf helfen, der Arbeitnehmer*innen das Recht gibt, dies mit ihrem Arbeitgeber zumindest zu erörtern. Wenn dieser Entwurf vom Januar 2021 Gesetz wird, haben Sie einen Anspruch , mit dem Anliegen auf Homeoffice zumindest gehört zu werden. Und zwar auch über den Corona-Lockdown hinaus. Bis dahin verpflichtet die Corona-Arbeitsschutzverordnung Arbeitgeber dazu, Homeoffice zu ermöglichen.

In vielen Betrieben gibt es inzwischen Regelungen zur Arbeit im Homeoffice, z. B. über Betriebsvereinbarungen. Auf diese Vereinbarungen können und sollten Sie zurückgreifen. Gibt es sie nicht, braucht es eine individuelle Vereinbarung zum bestehenden Arbeitsvertrag. Sprechen Sie dafür am besten mit Ihrem Personal- oder Betriebsrat oder mit den Expert*innen von ver.di.

Anordnen darf der Arbeitgeber Homeoffice andererseits nicht einseitig. Er hat kein Recht, über den privaten Wohnraum seiner Beschäftigten zu verfügen, es bedarf dafür immer einer Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen.

HOMEOFFICE, MOBILE OFFICE, TELEARBEIT? DAS SIND DIE UNTERSCHIEDE

Zunächst ist es wichtig, eine Unterscheidung der Begrifflichkeiten vorzunehmen. Denn während der Begriff Homeoffice vor allem im Lockdown als passend erscheint, so unterscheidet er sich vor allem auf dem Papier vom Begriff des Mobilen Arbeiten. Prüfen Sie also, welches Modell bei Ihnen im Betrieb angeboten wird.

  • 1. Mobiles Arbeiten: Das wesentliche Merkmal dieses Arbeitsmodells ist, dass Arbeitnehmer*innen nicht an ein Firmenbüro gebunden sind. Sie können daheim, auf Reisen, auf einer Parkbank oder am Strand arbeiten. Der Kontakt zur Firma findet online oder telefonisch statt; ggf. besteht die Möglichkeit, sich von wo auch immer in den Firmenserver einzuloggen. Das ist etwas anderes als ein fester Tele- oder Heimarbeitsplatz.
  • 2. Homeoffice: Beim Homeoffice handelt es sich im Grunde um mobiles Arbeiten von zuhause aus. Im Deutschen wird es auch „Tele-“ oder „Heimarbeit“ genannt – und hier gilt die Arbeitsstättenverordnung. Das heißt: Der Arbeitgeber muss seinen Beschäftigten zuhause einen vollwertigen Arbeitsplatz einrichten und die Verantwortung für Ausstattung und Arbeitsschutz übernehmen.

WELCHE AUSSTATTUNG STEHT MIR ZU?

Beim Homeoffice im Sinne von Telearbeit, also beim dauerhaften Arbeiten an einem fest eingerichteten Arbeitsplatz in den eigenen vier Wänden, gilt: Der Arbeitgeber hat dafür zu sorgen, dass Ihr Heimarbeitsplatz den gleichen gesetzlichen Anforderungen genügt wie Ihr betrieblicher Arbeitsplatz. Dabei geht es nicht nur um Desktop-PC oder Laptop, sondern auch um Einrichtungsgegenstände wie einen ergonomischen Bürostuhl oder Schreibtisch. Es gelten die Regelungen der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV). Umgekehrt sind Sie aber nicht frei in der Wahl Ihres außerbetrieblichen Arbeitsplatzes, sondern müssen die Arbeit von dem festen, geprüften Arbeitsplatz aus erledigen.

Bei mobiler Arbeit, selbst wenn Sie sie zuhause wahrnehmen, findet die Arbeitsstättenverordnung keine Anwendung und sie haben keinen Anspruch auf eine vollständige Ausstattung. Jedoch muss mit dem Arbeitgeber geklärt werden, welche technischen Geräte und Einrichtungen für Ihre Arbeit notwendig sind.

Der Arbeitgeber muss in beiden Fällen für die nötige digitale Infrastruktur sorgen, also den sicheren Zugriff auf wichtige Dateien, E-Mails und Anwendungen gewährleisten. Das geschieht oft über die Verschlüsselung von Daten und/oder die Verwendung eines Virtual Private Networks (VPN). Er kann Sie außerdem nicht dazu verpflichten, Ihre private Hardware für die Arbeit zu nutzen. Mit Blick auf die Datensicherheit und den Schutz der Persönlichkeitsrechte ist die Nutzung privater Geräte sowieso zu vermeiden.

Es gelten die allgemeinen Arbeitsschutzmaßnahmen

Auch die übrigen arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften wie die Gefährdungsbeurteilung, die Unterweisung des Arbeitnehmers sowie die Betriebssicherheitsverordnung gelten hier, ebenso die Arbeitszeit- und Datenschutzregelungen.

  • 1. Die vereinbarte Arbeitszeit, Pausen- und Ruhezeiten sind einzuhalten. Außerhalb der Arbeitszeit hat der Arbeitgeber keinen Anspruch darauf, dass Sie per Telefon oder E-Mail erreichbar sind. Es spricht also nichts dagegen, das Diensthandy zum Feierabend auszuschalten.
  • 2. Während der Arbeit und auf dem Weg dahin sind Arbeitnehmer*innen gesetzlich unfallversichert. Grundsätzlich gilt auch im Homeoffice und beim mobilen Arbeiten der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.

GUT ZU WISSEN: IHR STEUERVORTEIL

Zuhause arbeiten kostet Geld, etwa für Strom, Heizung und Wasser. Einen Pauschalbetrag können Sie sich aber vom Staat zurückholen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sich der Heimarbeitsplatz in der Küche oder im Flur befindet, der Gesetzgeber erlaubt den Steuerzahler*innen, auch das improvisierte Homeoffice geltend zu machen. Pauschal fünf Euro für jeden Kalendertag der Jahre 2020 und 2021 dürfen in die Steuererklärung eingetragen werden, jedoch maximal 600 Euro pro Jahr. Sprich: Es können nur 120 Tage geltend gemacht werden, die in die Werbungskostenpauschale von 1000 Euro miteingerechnet werden.

FLUCH UND SEGEN ZUGLEICH – WO DAS PRINZIP DES HOMEOFFICE AN SEINE GRENZEN STÖSST

Unbestritten ist, dass diese Art zu arbeiten durch Kontaktreduzierung zur Eindämmung des Infektionsgeschehens beiträgt. Es ermöglicht eine zeitlich und räumlich freiere Gestaltung der Arbeit und durch den Wegfall des Arbeitswegs spart man nicht nur Fahrzeit, sondern leistet sogar einen Beitrag zum Umweltschutz.

Gefährlich wird es jedoch, wenn Arbeits- und Ruhezeiten verschwimmen. Die eine vergisst, dass ein Arbeitstag nur acht Stunden betragen darf, der andere denkt neben der Kinderbetreuung nicht mehr an die eigenen Erholungsphasen.

Wer zuhause arbeitet, kann zudem abends oft nicht abschalten. Die Wahrscheinlichkeit einer Entgrenzung der Arbeit liegt, laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung, bei 45 Prozent und damit mehr als doppelt so hoch wie bei Beschäftigten, die nie zuhause arbeiten.

Und schließlich besteht noch die Gefahr der Vereinsamung und sozialen Isolation. Nicht alle mögen ohne Kontakt zu ihren Kolleg*innen und Kund*innen sein und nur noch digital kommunizieren.

HOMEOFFICE: SO MACHEN SIE DAS BESTE DRAUS

Tipps für Ihr Wohlbefinden

  • Schaffen Sie Routinen und feste Tagesabläufe
  • Ziehen Sie sich so an, an als würden Sie zur Arbeit gehen
  • Machen Sie regelmäßig Pausen und gehen Sie an die frische Luft
  • Suchen Sie sich einen bequemen Platz, an dem Sie aufrecht sitzen können
  • Schalten Sie Ihr Handy und Ihren Laptop während Pausen und außerhalb der Arbeitszeiten aus
  • Informieren Sie Ihre Kollegen über mögliche Doppelbelastungen durch Homeschooling und besprechen Sie Lösungen zur Zusammenarbeit
  • Zögern Sie nicht, Probleme mit ihren Vorgesetzten zu besprechen

AUS DEN AUGEN, AUS DEM SINN? WIE DARF IHR ARBEITGEBER SIE KONTROLLIEREN?

Angesichts der Abwesenheit vom Büro wächst in manchen Vorgesetzten das Bedürfnis, ihre Mitarbeiter*innen zu kontrollieren. Hersteller von Überwachungssoftware verzeichnen derzeit hohe Zuwachsraten. Doch eine elektronische Überwachung von Beschäftigten ist generell nur in sehr engen Grenzen rechtmäßig: Hält die Software lediglich fest, ob der*die Mitarbeiter*in mit dem EDV-System des Betriebs verbunden ist, bestehen keine Bedenken. Anders sieht es aus, wenn die Software das Verhalten im Detail erfasst, also z. B. Tastatureingaben aufzeichnet und auswertet oder regelmäßig Screenshots anfertigt.
Dies ist allenfalls erlaubt, wenn ein begründeter Verdacht besteht, dass jemand seiner Arbeitsverpflichtung nicht ausreichend nachkommt.

Wenn Sie den Verdacht haben, dass Sie elektronisch überwacht werden, sollten Sie sich sofort an den Betriebsrat oder an Ihre Gewerkschaft wenden. Es gibt auch die Möglichkeit, sich – auch anonym – an die Aufsichtsbehörde für den Datenschutz wenden.

MEIN ARBEITGEBER LÄSST MICH NICHT INS HOMEOFFICE

MEIN ARBEITGEBER LÄSST MICH NICHT INS HOMEOFFICE

Was tun, wenn Sie von zuhause arbeiten möchten, aber Ihr Arbeitgeber stellt sich quer? Misstrauische Chefs, die glauben, dass Menschen kontrolliert werden müssen, tun sich gelegentlich schwer, den Mitarbeiter*innen Homeoffice bzw. mobiles Arbeiten zu ermöglichen. Das ist bedauerlich, aber erzwingen lässt es sich nicht, solange im Betrieb die Arbeitsschutzstandards eingehalten werden. Die bloße Befürchtung, sich beim Verlassen der Wohnung mit dem Coronavirus anzustecken, genügt nicht, um der Arbeit fernzubleiben. Denn eine nur potenzielle Ansteckungsgefahr – auf dem Weg zur Arbeit oder am Arbeitsplatz – gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Dies trägt jede und jeder Beschäftigte selbst.

ARBEITGEBER HABEN EINE FÜRSORGEPFLICHT

Arbeitgeber sind gesetzlich zunächst einmal dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter*innen vor einer Infektion zu schützen und die geeigneten Maßnahmen hierfür zu ergreifen. Zudem müssen sie den SARS-CoV-2-Arbeitsschutzstandard des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) beachten, um sich nicht haftbar zu machen.

Wenn ein Arbeitgeber sich nicht an Corona-Schutzmaßnahmen hält, sollten Sie zunächst den üblichen Weg gehen und das Gespräch mit dem Arbeitgeber oder Betriebsrat suchen. Arbeitnehmer*innen dürfen die Arbeit gemäß § 273 BGB verweigern, wenn sie unzumutbar ist, also eine Gefährdung für Leib und Leben vorliegt.

Wichtige Gesetze

Arbeitszeit­gesetz (ArbZG)

Arbeitnehmer*innen müssen auch bei der Arbeit von zuhause die Regelungen zu Höchstarbeitszeit, Ruhepausen und Ruhezeiten sowie das Verbot von Sonn- und Feiertagsarbeit einhalten. Der Arbeitgeber sollte darauf hinweisen und eine Regelung für die Zeiterfassung anbieten.

Arbeitsschutz

Der Arbeitgeber hat zu ermitteln, welche Arbeitsschutzmaßnahmen nötig sind und eine Gefährdungsbeurteilung vornehmen. Dies beinhaltet zwar keine Kontrolle des Homeoffice-Arbeitsplatzes, erfordert aber eine genaue Erfragung der Umstände sowie eine angemessene Unterweisung der Mitarbeiter zur Betriebssicherheit. Auch die arbeitsmedizinische Vorsorge ist vom Arbeitgeber einzuhalten.

Datenschutz

Der Arbeitgeber muss für die geeigneten Datenschutzvorkehrungen im Homeoffice bzw. beim mobilen Arbeiten sorgen. Zudem muss er gewährleisten, dass diese von den Arbeitnehmer*innen auch genutzt werden. Diese*r wiederum müssen sicherstellen, dass sie allein – und keine Familienangehörigen oder Dritte – Zugang zu PC und Mobiltelefon und damit zu vertraulichen Daten haben.

Was ver.di für Sie tun kann

ver.di unterstützt ihre Mitglieder mit umfassender fachlicher Beratung und Rechtsbeistand in Auseinandersetzungen rund um die Arbeit. Wir sind die Expert*innen für die Gestaltung guter Arbeit und schaffen mit unseren Mitgliedern tarifliche und betriebliche Rahmenbedingungen dafür.

Denn auch bei der flexiblen und digitalen Arbeit kommt es auf klare Regeln an: Zeiterfassung und zeitliche Obergrenzen, realistische Vorgaben für das Pensum, genug Personal und Vertretungsregeln sind nur einige Stichworte, die den Unterschied markieren zwischen Entgrenzung und drohender Überlastung und Arbeit zu guten Bedingungen. Mit ver.di können Sie ihre Rechte wahrnehmen und durchsetzen und dadurch auch mobile Arbeit und Arbeit im Homeoffice so regeln, dass Sie damit zufrieden sind.

Unternehmen mit Betriebsrat haben übrigens bei der Gestaltung solcher Regeln die Nase vorn: Die Wahrscheinlichkeit, dass Beschäftigten mit Betreuungspflichten flexible Arbeitszeitarrangements wie Gleitzeit, Homeoffice oder mobiles Arbeiten angeboten werden, erhöht sich laut einer Studie der Hans Böckler Stiftung um 13,9 Prozent, wenn es einen Betriebsrat gibt. ver.di stärkt die betrieblichen Interessenvertretungen durch ein breit gefächertes Qualifikationsangebot und Vernetzung der Betriebsräte untereinander.

Was ist, wenn ich nicht ver.di-Mitglied bin?

Werden Sie es! Gewerkschaftsleistungen finanzieren sich solidarisch aus den Beiträgen der Mitglieder. Deshalb ist es nicht möglich, ohne Mitgliedschaft Leistungen in Anspruch zu nehmen. Als Mitglied genießen Sie über den Rechtsschutz hinaus viele weitere Vorteile – und haben die Möglichkeit, sich durch ehrenamtliches Engagement aktiv einzubringen. Zur Schulung und Qualifizierung bietet ver.di eigene Seminare an, die allen Mitgliedern offenstehen.

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