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Bei Kündigung können Sie kämpfen.
Was tun, wenn ein Arbeitsverhältnis endet?

Hier informieren.

Entlassen, gefeuert, das Handtuch geworfen: Was heißt Kün­digung eigentlich?

Mit einer Kündigung beendet der oder die Arbeitgeber*in bzw. der oder die Arbeitnehmer*in einseitig das Arbeitsverhältnis. Wenn er oder sie dabei die gesetzliche oder vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist einhält, handelt es sich um eine ordentliche Kündigung. Aber auch fristlose und damit außerordentliche Kündigungen sind möglich, wenn dem Arbeitgeber bzw. dem oder der Arbeitnehmer*in die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses nicht zuzumuten ist.

Eine Kündigung vom Arbeitgeber wirkt auf die meisten Menschen wie ein Schlag ins Gesicht. Nach oft langjährigem Einsatz für den Betrieb wird man plötzlich einfach entsorgt. Auf den ersten Schock folgen Schmerz, Angst, Wut, Demütigung. Plötzlich steht man auf der Straße, ohne Job und ohne Funktion und ohne zu wissen, wie es weitergeht. Doch seien Sie gewiss: Der Schmerz geht irgendwann vorüber. Und: Gegen das Kündigungsschreiben des Arbeitgebers kann man sich mit rechtskundiger Hilfe durch ver.di wehren – zwar rettet das meist nicht den Arbeitsplatz, bringt aber oft eine höhere und gerechtere Abfindung und ein faires Zeugnis.

Aber natürlich kann der oder die Arbeitgeber*in Ihnen nicht einfach kündigen, nur weil es ihm gerade so passt oder Sie einen Fehler gemacht haben. Ihr Arbeitsverhältnis fällt unter das Kündigungs­schutz­gesetz, wenn Ihr Betrieb mehr als zehn Mitarbeiter*innen* hat und Sie dort länger als sechs Monate ununterbrochen beschäftigt waren. Das Gesetz legt fest, dass eine Kündigung nur dann gerechtfertigt ist, wenn triftige Gründe dafür vorliegen, d. h. der Arbeitgeber kann nur betriebs-, verhaltens- oder personenbedingt kündigen.

  • 1. Eine betriebsbedingte Kündigung ist dann möglich, wenn ein Arbeitsplatz im Betrieb weggefallen ist, wenn es keine andere Beschäftigungsmöglichkeit für die gekündigte Person gibt und diese nach sozialen Kriterien die am wenigsten schützenswerte ist.
  • 2. Eine personenbedingte Kündigung ist möglich, wenn die gekündigte Person ihre Arbeitsleistung nicht mehr erbringen kann – beispielsweise, weil sie dauerhaft krank ist oder keine behördliche Arbeitserlaubnis mehr besitzt, wie beispielsweise ein LKW-Fahrer, der seine Fahrerlaubnis verloren hat.
  • 3. Eine verhaltensbedingte Kündigung setzt einen gravierenden Verstoß gegen die arbeitsvertraglichen Pflichten voraus. Meist wird zuvor eine Abmahnung ausgesprochen. Neben Diebstahl, Unterschlagung oder Tätlichkeit kommen hier z. B. auch fortgesetzte Verspätungen und Arbeitsverweigerung als Gründe in Betracht.

Berechtigen Krisen zu radikalen Maßnahmen?

Auch in einer Krise wie der Corona-Pandemie gilt der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit: Kündigung als letztes Mittel. Insbesondere die Einführung von Kurzarbeit wegen eines vorübergehenden Arbeitsausfalls kann eine betriebsbedingte Kündigung unzulässig machen, da diese einen dauerhaften Arbeitsausfall voraussetzt. Dennoch schließt Kurzarbeit betriebsbedingte Kündigungen nicht generell aus – Prognosen, ob der Wegfall von Arbeit „vorübergehend“ oder „dauerhaft“ sein wird, können sich ja ändern. Falls tatsächlich eine Kündigung erfolgt, kann kein Kurzarbeitergeld mehr gezahlt werden. Oft sind deshalb in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen betriebsbedingte Kündigungen für die Zeit der Kurzarbeit ausgeschlossen.

Nicht jede Kündigung ist wirksam

Egal, welche Art der Kündigung Sie erhalten haben – es müssen formale Voraussetzungen berücksichtigt werden, damit die Kündigung wirksam ist.

  • 1. Die Kündigung muss immer schriftlich erfolgen und von dem disziplinarischen Vorgesetzten unterschrieben sein. Ist dies nicht der Fall, sollten Sie sich juristisch beraten lassen und weiterhin zur Arbeit gehen – auch über das Ende der Kündigungsfrist hinaus.
  • 2. 2. Schwangere, Schwerbehinderte, Betriebsratsmitglieder und Mitarbeiter*innen in Eltern- oder Pflegezeit genießen einen besonderen Kündigungsschutz. Hier muss der Arbeitgeber vorab die Zustimmung der Aufsichtsbehörde (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) zur Kündigung einholen.

*Für Beschäftigte, die noch vor dem 01. Januar 2004 angestellt wurden, gelten andere Regelungen. In diesen Fällen sprechen Sie bitte mit den Arbeitsrechtsexpert*innen bei ver.di.

Was kann der Betriebsrat tun?

Wenn Ihr Betrieb einen Betriebsrat hat, sprechen Sie zeitnah mit ihm. Hier wird man Ihnen viele Fragen zum Kündigungsschreiben und Ihren Rechten beantworten können und Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der Betriebsrat kann z. B. im Rahmen eines Widerspruchs auf einen anderen Arbeitsplatz im Betrieb oder zumutbare Schulungsmaßnahmen hinweisen, die eine Weiterbeschäftigung ermöglichen. Und: Der Betriebsrat kann Kündigungsschreiben, z. B. bei Formfehlern oder bei einer falschen Sozialauswahl, schriftlich widersprechen.

Grundsätzlich muss der Betriebsrat vom Arbeitgeber vor Kündigungen informiert und angehört werden. Ist das nicht passiert, ist die Kündigung automatisch unwirksam.

Ein Arbeitnehmer erhält seine fristlose Kündigung

Achtung bei Aufhebungs­verträgen

Wenn Ihr Chef oder Ihre Chefin Ihnen einen Aufhebungs- oder Abwicklungsvertrag mit einer – auf den ersten Blick vielleicht verlockenden – Abfindungssumme anbietet, sollten Sie diesen keinesfalls ohne ausführliche juristische Beratung unterschreiben. Denn: Wenn Sie einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen, bekommen Sie normalerweise für zwölf Wochen kein Arbeitslosengeld. Wie bei allen Verträgen gilt: Das Angebot mitnehmen und ein paar Nächte drüber schlafen, bevor Sie unterschreiben.

Wichtige Gesetze

Kündigungs­schutz­gesetz

Das Kündigungs­schutz­gesetz (KschG) schränkt die grundsätzliche Kündigungsfreiheit von Verträgen mit einer längeren Laufzeit zugunsten von Arbeitnehmer*innen ein. Arbeitnehmer*innen dürfen nur dann gekündigt werden, wenn es sozial gerechtfertigt ist und triftige Gründe vorliegen. Dieses Gesetz hat auch in vorübergehenden Krisenzeiten (wie z. B. während Corona) uneingeschränkte Gültigkeit.

Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)

Die gesetzlichen Kündigungsfristen sind im BGB (§622) geregelt. Sie betragen mindestens 4 Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats für Arbeitsverhältnisse, die weniger als zwei Jahre lang bestanden haben und steigen mit der Dauer der Beschäftigung. Arbeitnehmern, die über 20 Jahre lang für dasselbe Unternehmen gearbeitet haben, steht eine Kündigungsfrist von sieben Monaten zu. Im Arbeitsvertrag können abweichende Regelungen getroffen werden. Eine Verkürzung der gesetzlichen Kündigungsfrist zulasten der Arbeitnehmer ist nicht erlaubt.

Tarif­vertrags­gesetz

Wenn ein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag auf Ihr Arbeitsverhältnis anwendbar ist, gilt die tarifvertragliche Kündigungsfrist. Diese kann sowohl länger als auch kürzer als die gesetzliche sein. So sieht der allgemeinverbindliche Rahmentarifvertrag für die gewerblichen Beschäftigten in der Gebäudereinigung in den ersten fünf Beschäftigungsjahren nur eine zweiwöchige Kündigungsfrist vor.

Die wichtigsten Fragen und Antworten

Kurze Antworten auf Fragen, die sich viele Betroffene stellen:

1. Muss ich morgen überhaupt noch arbeiten?

Ja, Sie müssen bis zum Ende der Kündigungsfrist ganz normal arbeiten, es sei denn, Ihr Arbeitgeber hat Sie mit der Kündigung sofort freigestellt.

2. Was ist mit meinem Resturlaub?

Der Resturlaub steht Ihnen anteilig bis zum Ende der Kündigungsfrist zu. Bitten Sie die Personalabteilung, Ihnen Ihren letzten Arbeitstag mitzuteilen.

3. Bekomme ich in jedem Fall eine Abfindung?

Bei einer betriebsbedingten Kündigung gibt es nur dann Anspruch auf Abfindung, wenn Sie sich gleichzeitig verpflichten, auf eine Kündigungsschutzklage zu verzichten. Die Abfindung beträgt dann 0,5 Gehälter pro Beschäftigungsjahr, in allen anderen Fällen gibt es keinen Anspruch. Sie können aber im Rahmen einer Kündigungsschutzklage versuchen, eine (höhere) Abfindung zu erstreiten. Die Erfolgsaussichten sind in der Regel recht gut, wenn Sie länger im Unternehmen beschäftigt waren und sich keine groben Pflichtverletzungen geleistet haben.

4. Darf ich mich wegbewerben?

Sie dürfen sich selbstverständlich jederzeit von Ihrem Arbeitgeber wegbewerben, auch (und gerade) nach einer Kündigung. Der Arbeitgeber muss Sie für die Vorbereitung der Bewerbungsunterlagen, für einen Termin im Fotostudio und für Vorstellungsgespräche sogar bezahlt freistellen.

5. Darf ich dafür den Computer des jetzigen Arbeitsplatzes benutzen?

Nein, jede Art von nicht autorisierter, privater Nutzung des Firmencomputers kann theoretisch eine Abmahnung zur Folge haben.

6. Kann mir mein jetziger Arbeitgeber bei der Jobsuche helfen?

Wenn Ihr Arbeitgeber Ihnen gewogen ist, kann er sich natürlich in der Branche für Sie umhören und Sie empfehlen. Fragen Sie ihn einfach.

Ich bin gekündigt!
Und was mache ich jetzt?

Erste Schritte

  • Informieren Sie den Betriebsrat nach Erhalt des Kündigungsschreibens und bitten Sie um Unterstützung.
  • Und das sollten Sie sofort tun: Melden Sie sich innerhalb von drei Tagen nach der Kündigung bei der Agentur für Arbeit als arbeitssuchend. Als erste Maßnahme reicht ein Telefonanruf mit Terminvereinbarung. Wenn Sie sich nicht sofort melden, können Ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld gekürzt werden. Für den Behördengang haben Sie Anspruch auf Freistellung von der Arbeit.
  • ver.di-Mitglieder können sich kostenfrei von unseren Fachleuten für Arbeitsrecht beraten lassen. Beachten Sie, dass eine Kündigungsschutzklage innerhalb von drei Wochen bei Gericht eingereicht werden muss.
  • Machen Sie weiterhin Ihre Arbeit, wenn Sie nicht freigestellt worden sind.
  • Beantragen Sie ein aktuelles Zwischenzeugnis, damit Sie sich bewerben können.
  • Nehmen Sie ggf. Ihren Resturlaub, um die Fühler nach neuen Stellen auszustrecken.

Häufige Fehler vermeiden

  • Eine Kündigung macht wütend, versuchen Sie trotzdem ruhig zu bleiben. Alles andere kann Ihnen bei späteren Verhandlungen schaden.
  • Lassen Sie sich nicht dazu drängen, schnell eine Entscheidung zu treffen (z. B. im Hinblick auf einen Aufhebungsvertrag oder eine „einvernehmliche Kündigung“). Sprechen Sie vorher mit Leuten vom Fach.
  • Wenn Sie eine Kündigungsschutzklage anstreben, äußern Sie sich Ihrem Arbeitgeber gegenüber in keiner Weise zu den Entwicklungen, die zur Kündigung geführt haben. Er sollte sich nicht auf Ihre Argumentation vorbereiten können.
Übrigens: Auch als Arbeitnehmer*in können Sie nicht einfach fristlos kündigen

ÜBRIGENS: AUCH ALS ARBEITNEHMER*IN KÖNNEN SIE NICHT EINFACH FRISTLOS KÜNDIGEN

Sie haben von Ihrem Arbeitgeber die Nase voll und würden am liebsten sofort gehen? Ganz so einfach ist es leider nicht. Für eine fristlose Kündigung Ihrerseits muss ein triftiger Grund vorliegen, wie etwa die Gefährdung Ihrer Gesundheit, das Ausbleiben des Gehalts, Diskriminierung oder Mobbing. Auch muss die Kündigung innerhalb von zwei Wochen nach Bemerken des Missstands ausgesprochen werden. So können Sie beispielsweise nicht sechs Monate lang eine Gefährdung Ihrer Gesundheit tolerieren und sie dann plötzlich als Kündigungsgrund angeben.

Ob eine fristlose Kündigung sinnvoll ist und Erfolg hat, sollten Sie daher immer vorher rechtlich abklären, um einen Rechtsstreit oder Sanktionen Ihres Arbeitgebers zu vermeiden. Auch dabei steht ver.di Ihnen beratend zur Seite.

Was ver.di für Sie tun kann

ver.di-Mitglieder genießen kostenfreien Rechtsschutz in allen Fragen des Arbeits- und Sozialrechts. Wenn Sie gekündigt werden oder keinen anderen Ausweg sehen, als selbst fristlos zu kündigen, übernehmen wir kostenlos die komplette anwaltliche Beratung und Vertretung. Der Rechtsschutz beginnt bei ver.di immer mit einer umfassenden Beratung und dem Versuch, eine außergerichtliche Einigung zu erwirken. Wenn sich jedoch zeigt, dass eine gerichtliche Auseinandersetzung unvermeidlich ist, streiten unsere Juristinnen und Juristen für Ihr Recht – wenn nötig durch die Instanzen. ver.di übernimmt dann die Kosten des Verfahrens. Zwar enden nur sehr wenige Kündigungsschutzklagen mit einer Rückkehr der Gekündigten in den Betrieb. Aber viele Kläger*innen erstreiten eine gerechtere Abfindung oder andere Vorteile. Übrigens: Gewerkschaftsmitglieder werden deutlich seltener gekündigt als Nichtmitglieder.

Was ist, wenn ich nicht ver.di-Mitglied bin?

Werden Sie es! Gewerkschaftsleistungen finanzieren sich solidarisch aus den Beiträgen der Mitglieder. Deshalb ist es nicht möglich, ohne Mitgliedschaft Leistungen in Anspruch zu nehmen. Als Mitglied genießen Sie über den Rechtsschutz hinaus viele weitere Vorteile – und haben die Möglichkeit, sich durch ehrenamtliches Engagement aktiv einzubringen. Zur Schulung und Qualifizierung bietet ver.di eigene Seminare an, die allen Mitgliedern offenstehen.

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